Practising Bach
Bach übend
Des morgens eine Nebelsonne
in kristallenem Dunst, zwei Pferde auf der Nebenstraße,
von der Farbe alter Violinen. Rhythmus
hält sie in Trab.
Wieder und wieder die stete Wiederholung
bis die Finger wie von selbst
gesetzt werden.
Ein einfacher Mann, auch hingebungsvoller Ehemann.
Er schickte die Brandenburgischen Konzerte,
doch blieben sie ungeöffnet. Ungesungen; die Kunst
der Fuge, derweilen er belegte Brote aß,
Kirchenorganist war, Kantaten
auf Bestellung komponierte; trotz allem
diese Klänge — ihre Namen
sind Sterne. Darin steht unser Jahrhundert wie Atem
in einer Winternacht, vielleicht als dünne
Wolken spättags, als Mond. Diese Musik,
sie ist der Erde unhörbare Umlaufbahn
im Weltall: der Horizont
tut sich auf, gleich einem Vorhang.
Alle Wahrheit konzentriert sich auf Zuhause.
Liszt, Paganini, all die glänzenden, unwirklichen
Posen, die Intensität suggerieren — nicht zu vergleichen
mit dem Geschirr im Abtropfstand, das da aufgerichtet
der heißen Spülung wartet, mit Kindern, die,
zur Haarwäsche bereit, in der Badewanne sitzen.
Ein einzelner Kardinal, süßes Bonbonrot
vor Schnee, gleich einer langstieligen Rose.
Aber es sind die Spatzen, braun wie Brot,
die stündlich das Futterhaus
leerfressen, uns all dieser Körnern entledigen:
weich und gestreift,
einzigartig und unzählbar wie die Tage.
In the morning, sun fogged
in a crystal haze, two horses on the side road
the color of old violins. Rhythm
is the spring in their step.
Over and over the steady repetition
till the fingers fall with a sureness
past control.
A plain man, uxorious.
The Brandenburg Concerti sent
but never opened. Unsung; the Art
of Fugue and sandwiches,
church organist, cantatas
on demand, and yet
these notes — their names
are stars. Our century is breath
on a winter night, or late thin
cloud, the moon. This music
is the earth’s inaudible revolve
through space: horizon
draws back like a curtain.
The densest truths are home.
Liszt, Paganini, all the brilliant unreal
postures of intensity — nothing like
the dishes in the rack, heads raised
for the clear hot rinse, children
having their hair washed in the bath.
One cardinal, sweet against the snow
as candy, as a long-stemmed rose.
But it is sparrows who
are brown as bread, empty the feeder
hourly, divest us of those seeds:
smooth, striped,
unique and numberless as days.