Louise Dupré
Louise Dupré ist eine feministisch engagierte Autorin, die sowohl Lyrik, Romane,
zahlreiche Essays und Theaterstücke veröffentlicht hat. Sie war zwanzig Jahre lang
Professorin für französische Literatur an der Universität von Québec in Montreal und
widmet jetzt ihre Zeit ganz dem Schreiben. Sie ist Literaturkritikerin, Mitglied der
Académie des lettres du Québec, der Société Royale du Canada und wurde mehrfach mit
den bedeutendsten kanadischen Literaturpreisen ausgezeichnet, darunter zweimal mit
dem Preis des Gouverneur Général für die beiden hier ausgewählten Gedichtbände Über
die Flammen hinaus und Die Hand, die gegen das Unheil schreibt, und zweimal mit dem
Grand Prix Québecor du Festival International de la Poésie. Ihr Theaterstück Ganz wie sie
erschien dieses Jahr auf Deutsch und wird im Beiheft der Frankfurter Buchmesse zur
Ehrengastschaft Kanadas vorgestellt.
Über die Flammen hinaus verdankt seine Entstehung einer Reise nach Polen, während
derer Louise Dupré Auschwitz und Birkenau besuchte. Die Erschütterung über die
Bilder, die sich ihr bei diesem Besuch eingebrannt haben, verknüpft sie mit dem Leben
„des Kindes das bei ihr ist“, und verwandelt sie in einen Aufschrei des Aufbegehrens
gegen menschliche Grausamkeit und Unachtsamkeit gegenüber Kindern, Mitmenschen
und der Umwelt. Das Gedicht ist ein Aufruf, über die Flammen der Kriege, der Gewalt
an Mitmenschen und der Umwelt hinauszusteigen und eine Welt zu schaffen in der
Freude herrscht und das Leben gefeiert wird.
Thematisch verwandt mit Über die Flammen hinaus, wird die schreibende Hand zur
*Foto: Geneviève Bergeron*
Hand, die gegen das Unheil schreibt, die gegen die Gewalt, Lieblosigkeiten und Unbedachtsamkeiten, die Menschen weltweit einander und der Erde antun, revoltiert. Anlass ist die „humane“
Entscheidung einer Frau, ihrer Katze, die das Ende ihres Lebenszyklus erreicht hat, einen „gnadenvollen“ Euthanasietod zu gewähren. Was folgt ist ein Nachdenken über das angemaßte Recht, über
den Tod einer Kreatur zu entscheiden und die Gewissensbisse, die daraus entstehen. Dies wird zum Ausgangspunkt einer Erforschung der Traumata der eigenen und historischen Vergangenheit
in drei Teilen, jeder davon aufgeteilt in einen erzählerischen Teil bestehend aus kurzen prägnanten Zwei- und Dreizeilern und einem reflektiven Teil aus Prosagedichten in fünzehn- bis
ziebzehnzeiligem Blockformat. Die hiesige Auswahl beschränkt sich auf die Prosagedichte aus dem ersten und zweiten Teil, die sich durch ihre außergewöhnliche Eindringlichkeit und lyrische
Intensität auszeichnen; wir hören hier eine Stimme, die von Heilung spricht und Ihre Leser dazu aufruft.
Bibliografie
Lyrik
La Peau familière (1983)
Où (1984)
Chambres (1986)
Quand on a une langue, on peut aller à Rome (1986)
Bonheur (1986)
Noir déjà (1993, Grand Prix du Festival International de la Poésie, Prix Québecor)
Tout près (1998)
Les Mots secrets (2002)
Une écharde sous ton ongle (2004)
Plus haut que les flammes (2010, 2015, Prix du Gouverneur Général en Poésie ; Grand Prix Qébecor)
La Main hantée (2016, Prix du Gouverneur Général en Poésie)
Romane und Novellen
La Memoria (1996, Preis des kanadischen Schriftstellerverbandes, Prix Ringuet)
La Voie lactée (2001)
L’Été funambule (2008)
L’Album multicolore (2014)
Théo à jamais (2020)
Theater
Si Cendrillon pouvait mourir (1980)
Tout comme elle (Dt. Ganz wie sie, 2006)
Essays
Stratégies du vertige. Trois poètes : Nicole Brossard, Madeleine Gagnon, France Théoret (1989)
Danksagung
Die Übersetzerin möchte Louise Dupré ihren Dank bekunden, die
ihre großzügige Erlaubnis gab, ihre Gedichte zu übertragen und
auch die zugrundeliegenden Originale auf dieser Webseite
mitzuveröffentlichen. Die unbetitelten Gedichte stammen aus den
folgenden Gedichtbänden:
Plus haut que les flammes. Montréal : Éditions du Noroît, 2010
Teil IV
La main hantée. Montréal : Éditions du Noroît, 2017
Seiten 72, 73, 75, 107, 109, 111 - 114
Remerciements
La traductrice aimerait exprimer sa gratitude à Louise Dupré qui
lui a généreusement donné sa permission de traduire ses poèmes
ainsi que d’inclure les originaux sur ce site web. Les poèmes sont
issus des recueils suivants, accompagnés des sigles d’identification
ci-mentionnés :