Die Hand, die gegen das Unheil schreibt

La main hantée

 

Gleich einem Himmel, der zerfiel, regenfarben, rußfarben,

lieferst du dich mit Leib und Seele den Engeln der Finsternis

aus, du gehörst nun zur Menschheit, die aus dem Blau

vertrieben wurde und du schwimmst, du schwimmst bis zur

Erschöpfung in schmutzigen Wassern, ahnungslos, wie du

es vermöchtest, dich zu wehren. Du denkst an Virginia,

ihren verlorenen Kampf, ihr Antlitz einer Ertrunkenen, du

denkst an all die toten Leiber, die an den Ufern der

Tränenflüsse angespült wurden, du möchtest sie auf den

Schoß nehmen, sie aufwärmen, ihnen deine letzte Milch

geben. Alsdann trügst du sie zu ihrer ewigen Gelassenheit.

Du wirst über niemanden mehr urteilen, du wirst dich

selbst nicht mehr verurteilen, du wirst nicht mehr dein

eigener schlimmster Feind sein. Alsdann könnte es dir

vielleicht gelingen, dir selbst zu vergeben.

71

Mit Melancholie hat mein Leid nichts zu tun, auch nicht

mit der Unordnung des Gedichts, das da schreit vor Zorn,

noch mit der Verzweiflung derer, die den Glauben

verloren haben. Es ist dies eine Sprache deren

Grammatik sinnlos ist, ihre Zeichen irren umher, sie

wandern von einem Satz zum nächsten, das tut etwas auf

in dir, das blökt und schreit wie ein Osteropfer auf dem

Altar, du bist das Lamm und das Messer aller Opfer, die

Sühne und die Rachehand, du bist ein Name, den man

zweigeteilt hat, die Ahnung, dass du die Auslöschung

deines letzten Antlitzes erleben könntest. Jedoch

verbleiben dir zum Glück noch ein paar Metaphern, die

bieten dir Schutz vor den Worten, die nicht mehr zu retten

sind. Es bleibt dir ein Zimmer, in das du dich schmiegst,

während du leise die Lektion vom Licht wiederholst.

72

Dein Revier erschufst du dir ganz gegen deinen Willen auf einer

Wunde unter freiem Himmel, es macht die Tage und ihre

Flügel, die Nächte und ihre Flügel, unruhig; wo du wohnst, gibt

es kein Ausruhen, es ist ein ewiger Hinterhalt. Du möchtest alle

Vögel vom Übel erlösen, du hängst den Katzen Glocken um den

Hals und du gehst umher mit dem Kopf im Grau der Wolken

und träumst davon, deine lächerliche Geste könnte die Stadt

vor dem Untergang bewahren. Du wirst nur ein paar Spatzen

retten, aber du tust etwas, du wagst etwas zu tun in der

Hoffnung, die Verzweiflung nur um eine Winzigkeit zu

erleichtern, denn andernfalls mag die Verzweiflung dich wohl

davonschwemmen. Nichts als eine Geste, und dieses Wort, das

einem anderen Jahrhundert entstammt, Barmherzigkeit, das

du dir zurückholst, während du nach einer Stellung suchst, die

es dir erlaubte, mit dem Rücken zum Abgrund zu leben.

75

Es ist Zeit, die Schnüre zwischen deinen Fingern zu zerschneiden,

die streunenden Katzen in deinen Garten zu locken, Zeit, den

Löwenzahn zu pflücken, dessen Wurzeln du bald verzehren wirst,

Zeit, das Entsetzen zu begnadigen. Denn du bist ja noch

menschlich, du liebst ja noch, was du hasst, du glaubst ja noch

an was du nicht mehr glaubst, die freundlich gesinnten

Gespenster zur Mitternacht und das Gebet, selbst dann, wenn es

besudelt ist wie ein Kleid nach einer Vergewaltigung. Die

Einsamkeit, die man angenommen hat, die Einsamkeit, die man

unterbrochen hat. Du hast deine neun Leben noch nicht

ausgeschöpft, auch nicht die Sterne, die in deinen mageren

Augen geboren werden, und nicht den Gebrauch der Verben im

Futur. Du wirst die Kühnheit haben, dich wie nackter Schnee auf

das brennende Lametta zu legen, nichts als Geduld gegen Gewalt

und Zorn, ihnen entgegengehoben, entgegenstehend, weiß vor

Angst und Hoffnung. Du besetzt das Feld der Scham.

107


Du entstammst einer Kindheit, in der die Dichter im Irrenhaus

endeten gleich Waisenkindern, einer Kindheit voller blökender

blonder Schafe auf den Festwagen, von Festumzügen, bei denen

keine Wettkämpfe stattfanden, einer Kindheit voller verklemmter

Erinnerungen an Katechismusstunden, Erinnerungen an Bilder

von himmelfahrenden Märtyrern. Man wollte dich als Jungfrau,

Missionarin, in Afrika kniend und die Kirchen schmückend, man

lehrte dich die Noten der Aufopferung und du sangst, wenn auch

falsch, mit rasselnder Stimme gleich den kieselgefüllten Mündern

der Ertrunkenen. Du vergaßt deine animalische Haut, dieser

Pelz, der allerorten spross, auf den Armen, den Beinen, der

Scham, Unkraut, das du eins nach dem anderen ausrisst, man

musste den Engel spielen und, bar jeder Begabung dafür, spieltest

du den Engel. Du begannst zu schreiben, mit einer Hand, die von

bösen Geistern verfolgt wurde. Du bist nicht die Einzige, die diese

Art Leid bewohnt und du weißt es.

109

Bete, denn du hast noch nicht alles über das Böse gelernt,

das in dir wohnt, dein Gebet ist Liebe zur Erde, die sich öffnet

wie die Hüften der jungen Mädchen, die um jeden Preis den

Fortbestand der Menschheit sichern wollen, runder Bauch

der Zukunft, entgegen aller Vernunft, blühende Obstgärten,

fruchtreife Obstgärten, denn man muss den Kindern dieser

Frauen zu Essen geben, bete, die du dich weigerst, die Arme

sinken zu lassen, glaub oder stirb heißt es, und du willst ja

nicht sterben, du verwandelst dich in einen Apostel für

mildes Klima und reiche Ernten gleich Hochzeitsschmäusen,

Gebete, die du betest ohne dir eine Atempause zu gönnen,

du segnest den Geschmack des Brotes und des Weins und

die Rituale, die bis tief in die Nacht hinein dauern, Küsse, die

Tiergottheiten heimlich dargebracht werden, primitive

Gebete, denn solcherart ist deine Herkunft, sie ist es, die dir

den Mut gab, Archen für die kommenden Sintfluten zu

bauen. Du bist eine Heidin und du gedenkst es zu bleiben.

111

Eine Heidin wirst du bleiben, jawohl. Man zwang dich in

der Schule, derart viele Heldenepen zu übersetzen, dass

dein Hirn davon ebenso dicht besiedelt ist wie der Olymp.

Dein Wortschatz nährt sich von Legenden und immer

noch hörst du das majestätische polis, wenn du Politik

schreibst, als könntest du dem Himmel ein wenig Würde

abfordern. Zum Glück hast du gelernt, den Stift linker

Hand zu handhaben. Wachs oder stirb, das befiehlt dir

dein Herz, dies ist das Blut der Hochzeiten und Festtage,

selbst wenn sie nicht von Dauer sind. Folgende Waffen

stehen dir zur Verfügung, Papier, Bleistifte, Nägel,

Hammer, Finger, Mund, eine lose Zunge, eine

zungenfertige Sprache, die es zu Wege bringt, Ideen

neues Leben einzuhauchen. Noch ist dir deine

Erinnerung nicht abhanden gekommen.

112

Denn dein Bauch verlangt nach, dein Bauch ruft nach

dem betäubenden Frauengold, nach Schweiß, dem

Kommunionswein und dem der Trunkenheit. Wieder

gestehst du deinen Durst, schüttelst die Leichentücher aus,

um sie in Tischdecken umzunähen, du erträgst es nicht mehr,

dass man die Hinwendung zum Licht mit Füßen tritt. Das

Hier bedeutet Jetzt, das erniedrigende Gefühl, ein niemand

zu sein, hier ist überall, die gleichen Tränen, die gleichen

Waffen, nur ist da mehr Liebe als Angst. Du besitzt immer

noch die Kühnheit, deinen Vornamen wieder aufrecht zu

stellen, und du stellst ihn jeden Morgen auf wie eine

tägliche Pflicht, gleich den Konjugationsübungen, die

deine Mutter dich abends nach der Schule wiederholen

ließ. Eines Tages hörtest du auf, ich zu schreiben, du

erinnerst dich nicht, warum. Deine Erinnerungen passen

nicht zu den Bildern in deinem Kopf.

113

Gleich einem Versprechen der Anonymen

Alkoholiker, Tag für Tag der Guerillakrieg des

Lebens, Wälder voll wimmelnden Lebens,

Seelenfestungen, die es zu belagern gilt. Aus den

Tiefen deines Leibes lauerst du unbarmherzig auf

die kleinsten Schwächen. Schon lange denkst du

Dunkles, schaust du Dunkles, sprichst du Dunkles

bei hellem Sonnenschein. Die menschliche Natur ist

unheilbar, das weißt du seit langem, du bist zu vielt

in deiner Einsamkeit, das ist kein Trost, nur eine

Feststellung. Du hörst nicht auf, die leeren Stühle

um dich herum zu zählen und du beobachtest sie

aus den Augenwinkeln, schwörend, dich nicht

darauf zu setzen. Aufrecht stehend willst du in dir

wohnen, aufrecht unter den Lebenden. Du willst

lernen, wir zu sagen, auf dass es bezeugt werde.

Comme un ciel qui s’est décomposé, couleur

pluie, pluie de suie, tu te livres corps et âme aux

anges des ténèbres, tu appartiens maintenant

à l’humanité chassée du bleu, et tu nages,

tu t’épuises à nager dans des eaux sales sans

savoir comment tu résisteras. Résister, telle

une promesse. Tu penses à Virginia, sa guerre

perdue, son visage de noyée, tu penses à tous

les cadavres échoués près des fleuves de larmes,

tu voudrais les assoir sur tes genoux maigres,

les réchauffer, leur donner ton dernier lait.

Puis tu les porterais jusqu’à leur sérénité

éternelle. Tu ne jugerais plus, tu ne te jugerais pire

plus, tu ne serais plus ta pire ennemie. Tu

pourrais peut-être en arriver à te pardonner.

71

Ta détresse n’a rien à voir avec la mélancolie,

ni avec le désordre du poème lorsqu’il crie de

rage, ni avec le désespoir de ceux qui ont

perdu la foi. C’est une langue à la grammaire

déréglée, et les signes se mettent à errer, ils

migrent d’une phrase à l’autre, ça s’ouvre en

toi, ça bée, ça bêle comme sur l’autel pascal, tu

es l’agneau et le couteau de tous les sacrifices,

l’expiation et la main vengeresse, tu es un nom

divisé par deux, l’intuition que tu pourrais

voir s’effacer ton ultime visage. Mais il te reste

heureusement quelques métaphores, elles te

protègent des mots irréparables. Il te reste une

chambre où tu te blottis en répétant à voix

basse la leçon de la lumière.

72

Ton territoire s’est construit malgré toi sur

une plaie à ciel ouvert, il inquiète les jours

et leurs ailes, les nuits et leurs ailes, c’est

sans repos où tu habites, un guet permanent.

Tu voudrais délivrer du mal tous les oiseaux,

tu attaches des clochettes au cou des chats,

et tu te promènes la tête dans la grisaille des

nuages en rêvant que ton geste ridicule puisse

empêcher la ville de sombrer. Tu ne sauveras

que quelques passereaux, mais tu agis, tu oses

agir avec l’espoir d’alléger un rien la détresse,

puisque la détresse risque de t’emporter. Juste

un geste, et ce mot tout droit sorti d’un autre

siècle, charité, que tu récupères en cherchant

une posture pour vivre adossée à l’abîme.

75


Il est temps de couper les fils entre tes doigts,

d’attirer dans ton jardin les chats errants,

temps de cueillir les pissenlits que tu mangeras

bientôt par la racine, temps d’accorder grâce

à l’effroi. Car tu es encore humaine, tu aimes

encore ce que tu hais, tu crois à ce que tu ne

crois plus, les fantômes bienveillants de minuit

et la prière, même souillée comme une robe de

viol. La solitude acceptée, la solitude rompue.

Tu n’as pas épuisé tes neuf vies, ni les étoiles

qui naissent dans tes yeux hagards, ni le futur

des verbes simples. Tu trouveras l’audace de te

coucher comme une neige nue sur les oripeaux

en flammes, pure patience contre force et rage,

levée contre, dressée contre, blanche de peur

et d’espoir. Tu occuperas le champ de la honte.



107

Tu viens d’une enfance où les poètes finis-

saient à l’asile tels des orphelins, une enfance

d’agneaux bêlants blonds sur les chars

allégoriques, parades sans combats, souvenirs

coincés dans le catéchisme, images martyres

qui montaient jusqu’aux nuages. On te voulait

vierge, mission, Afrique à genoux fleurissant les

églises, on t’apprenait le solfège du sacrifice et

tu chantais, mais faux, la voix cassée comme les

cailloux dans la bouche des noyées. Tu oubliais

ta peau animale, ces poils qui t’envahissaient,

bras, jambes, pubis, des herbes mauvaises que

tu arrachais une à une, il fallait faire l’ange et

sans talent tu faisais l’ange. Tu as commencé à

écrire, la main hantée. Tu n’habites pas seule ta

souffrance et tu le sais.

109

Prière, car tu n’as pas encore tout appris

du mal logé en toi, prière, amour de la terre

ouverte comme les hanches des jeunes filles

qui s’acharnent à continuer l’espèce, ventre

rond de l’avenir contre toute raison, vergers en

fleurs, vergers en fruits, car il faut nourrir les

enfants des femmes, prière, car tu refuses de

baisser les bras, c’est crois ou meurs et tu ne veux

pas mourir, tu te fais l’apôtre des climats doux

et des moissons généreuses comme les repas de

noces, prières priées sans répit, tu bénis le goût

du pain et du vin, les rituels qui s’attardent

jusqu’à la nuit, baisers offerts en secret à

des divinités bestiales, prières primitives car

c’est de là que tu viens, c’est ce qui t’a donné

le courage de construire des arches pour les

déluges. Tu es païenne et tu entends le rester.

111

Païenne, oui, tu le resteras. On t’a obligée à

traduire tant d’épopées au collège que ton crâne

est aussi peuplé que l’Olympe. Tu appartiens à

un vocabulaire de légende et tu entends encore

la grandeur de polis quand tu écris politique,

comme si tu pouvais exiger du ciel un peu de

dignité. Heureusement, tu as appris à tenir

ton crayon de ta main gauche. Côté cœur, c’est

crois ou crois, c’est le sang des alliances et des

fêtes, même si elles ne durent pas une éternité.

Tu fais l’inventaire de tes armes, papier,

crayons, clous, marteau, doigts, bouche, langue

bien pendue, langue capable de ressusciter

les idées mortes. Tu n’as pas encore perdu la

mémoire.

112

Car ton ventre réclame, ton ventre appelle la

cyprine, la sueur, le vin de la communion et

celui de l’ivresse. À nouveau tu reconnais ta soif,

tu secoues les linceuls pour en faire des nappes,

tu ne supportes plus qu’on bafoue l’instinct de

la lumière. Ici c’est maintenant, l’humiliation

de n’être personne, ici c’est partout, les mêmes

larmes les mêmes armes, mais l’amour plus

grand que la peur. Tu as encore l’audace de

redresser ton prénom, et tu le redresses chaque

matin comme un devoir de conduite, un

exercice semblable à des conjugaisons que te

faisais répéter ta mère le soir après l’école. Un

jour, tu as cessé d’écrire je, tu ne te rappelles

plus pourquoi. Tes souvenirs avaient failli à

leurs images.

113

Telle une promesse alcoolique, jour après

jour la guérilla de vivre, forêts grouillantes,

forteresses de l’âme à assiéger. Tapie dans ta

chair, tu épies tes moindres faiblesses , tu ne

te fais pas de quartier. Il y a longtemps que

tu penses noir, que tu vois noir, que tu parles

noir en plein soleil. La nature humaine est

incurable, tu le sais depuis longtemps, tu es

nombreuse en ta solitude, ce n’est pas une

consolation, tout au plus un constat. Tu n’as

pas fini de compter les chaises vides autour de

toi et tu les observes du coin de l’œil en jurant

que tu ne t’y assoiras pas. C’est debout que tu

veux t’habiter, debout parmi les vivants. Tu

veux apprendre à dire nous comme si tu lançais

un appel à témoins.