Die Hand, die gegen das Unheil schreibt
La main hantée
Gleich einem Himmel, der zerfiel, regenfarben, rußfarben,
lieferst du dich mit Leib und Seele den Engeln der Finsternis
aus, du gehörst nun zur Menschheit, die aus dem Blau
vertrieben wurde und du schwimmst, du schwimmst bis zur
Erschöpfung in schmutzigen Wassern, ahnungslos, wie du
es vermöchtest, dich zu wehren. Du denkst an Virginia,
ihren verlorenen Kampf, ihr Antlitz einer Ertrunkenen, du
denkst an all die toten Leiber, die an den Ufern der
Tränenflüsse angespült wurden, du möchtest sie auf den
Schoß nehmen, sie aufwärmen, ihnen deine letzte Milch
geben. Alsdann trügst du sie zu ihrer ewigen Gelassenheit.
Du wirst über niemanden mehr urteilen, du wirst dich
selbst nicht mehr verurteilen, du wirst nicht mehr dein
eigener schlimmster Feind sein. Alsdann könnte es dir
vielleicht gelingen, dir selbst zu vergeben.
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Mit Melancholie hat mein Leid nichts zu tun, auch nicht
mit der Unordnung des Gedichts, das da schreit vor Zorn,
noch mit der Verzweiflung derer, die den Glauben
verloren haben. Es ist dies eine Sprache deren
Grammatik sinnlos ist, ihre Zeichen irren umher, sie
wandern von einem Satz zum nächsten, das tut etwas auf
in dir, das blökt und schreit wie ein Osteropfer auf dem
Altar, du bist das Lamm und das Messer aller Opfer, die
Sühne und die Rachehand, du bist ein Name, den man
zweigeteilt hat, die Ahnung, dass du die Auslöschung
deines letzten Antlitzes erleben könntest. Jedoch
verbleiben dir zum Glück noch ein paar Metaphern, die
bieten dir Schutz vor den Worten, die nicht mehr zu retten
sind. Es bleibt dir ein Zimmer, in das du dich schmiegst,
während du leise die Lektion vom Licht wiederholst.
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Dein Revier erschufst du dir ganz gegen deinen Willen auf einer
Wunde unter freiem Himmel, es macht die Tage und ihre
Flügel, die Nächte und ihre Flügel, unruhig; wo du wohnst, gibt
es kein Ausruhen, es ist ein ewiger Hinterhalt. Du möchtest alle
Vögel vom Übel erlösen, du hängst den Katzen Glocken um den
Hals und du gehst umher mit dem Kopf im Grau der Wolken
und träumst davon, deine lächerliche Geste könnte die Stadt
vor dem Untergang bewahren. Du wirst nur ein paar Spatzen
retten, aber du tust etwas, du wagst etwas zu tun in der
Hoffnung, die Verzweiflung nur um eine Winzigkeit zu
erleichtern, denn andernfalls mag die Verzweiflung dich wohl
davonschwemmen. Nichts als eine Geste, und dieses Wort, das
einem anderen Jahrhundert entstammt, Barmherzigkeit, das
du dir zurückholst, während du nach einer Stellung suchst, die
es dir erlaubte, mit dem Rücken zum Abgrund zu leben.
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Es ist Zeit, die Schnüre zwischen deinen Fingern zu zerschneiden,
die streunenden Katzen in deinen Garten zu locken, Zeit, den
Löwenzahn zu pflücken, dessen Wurzeln du bald verzehren wirst,
Zeit, das Entsetzen zu begnadigen. Denn du bist ja noch
menschlich, du liebst ja noch, was du hasst, du glaubst ja noch
an was du nicht mehr glaubst, die freundlich gesinnten
Gespenster zur Mitternacht und das Gebet, selbst dann, wenn es
besudelt ist wie ein Kleid nach einer Vergewaltigung. Die
Einsamkeit, die man angenommen hat, die Einsamkeit, die man
unterbrochen hat. Du hast deine neun Leben noch nicht
ausgeschöpft, auch nicht die Sterne, die in deinen mageren
Augen geboren werden, und nicht den Gebrauch der Verben im
Futur. Du wirst die Kühnheit haben, dich wie nackter Schnee auf
das brennende Lametta zu legen, nichts als Geduld gegen Gewalt
und Zorn, ihnen entgegengehoben, entgegenstehend, weiß vor
Angst und Hoffnung. Du besetzt das Feld der Scham.
107
Du entstammst einer Kindheit, in der die Dichter im Irrenhaus
endeten gleich Waisenkindern, einer Kindheit voller blökender
blonder Schafe auf den Festwagen, von Festumzügen, bei denen
keine Wettkämpfe stattfanden, einer Kindheit voller verklemmter
Erinnerungen an Katechismusstunden, Erinnerungen an Bilder
von himmelfahrenden Märtyrern. Man wollte dich als Jungfrau,
Missionarin, in Afrika kniend und die Kirchen schmückend, man
lehrte dich die Noten der Aufopferung und du sangst, wenn auch
falsch, mit rasselnder Stimme gleich den kieselgefüllten Mündern
der Ertrunkenen. Du vergaßt deine animalische Haut, dieser
Pelz, der allerorten spross, auf den Armen, den Beinen, der
Scham, Unkraut, das du eins nach dem anderen ausrisst, man
musste den Engel spielen und, bar jeder Begabung dafür, spieltest
du den Engel. Du begannst zu schreiben, mit einer Hand, die von
bösen Geistern verfolgt wurde. Du bist nicht die Einzige, die diese
Art Leid bewohnt und du weißt es.
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Bete, denn du hast noch nicht alles über das Böse gelernt,
das in dir wohnt, dein Gebet ist Liebe zur Erde, die sich öffnet
wie die Hüften der jungen Mädchen, die um jeden Preis den
Fortbestand der Menschheit sichern wollen, runder Bauch
der Zukunft, entgegen aller Vernunft, blühende Obstgärten,
fruchtreife Obstgärten, denn man muss den Kindern dieser
Frauen zu Essen geben, bete, die du dich weigerst, die Arme
sinken zu lassen, glaub oder stirb heißt es, und du willst ja
nicht sterben, du verwandelst dich in einen Apostel für
mildes Klima und reiche Ernten gleich Hochzeitsschmäusen,
Gebete, die du betest ohne dir eine Atempause zu gönnen,
du segnest den Geschmack des Brotes und des Weins und
die Rituale, die bis tief in die Nacht hinein dauern, Küsse, die
Tiergottheiten heimlich dargebracht werden, primitive
Gebete, denn solcherart ist deine Herkunft, sie ist es, die dir
den Mut gab, Archen für die kommenden Sintfluten zu
bauen. Du bist eine Heidin und du gedenkst es zu bleiben.
111
Eine Heidin wirst du bleiben, jawohl. Man zwang dich in
der Schule, derart viele Heldenepen zu übersetzen, dass
dein Hirn davon ebenso dicht besiedelt ist wie der Olymp.
Dein Wortschatz nährt sich von Legenden und immer
noch hörst du das majestätische polis, wenn du Politik
schreibst, als könntest du dem Himmel ein wenig Würde
abfordern. Zum Glück hast du gelernt, den Stift linker
Hand zu handhaben. Wachs oder stirb, das befiehlt dir
dein Herz, dies ist das Blut der Hochzeiten und Festtage,
selbst wenn sie nicht von Dauer sind. Folgende Waffen
stehen dir zur Verfügung, Papier, Bleistifte, Nägel,
Hammer, Finger, Mund, eine lose Zunge, eine
zungenfertige Sprache, die es zu Wege bringt, Ideen
neues Leben einzuhauchen. Noch ist dir deine
Erinnerung nicht abhanden gekommen.
112
Denn dein Bauch verlangt nach, dein Bauch ruft nach
dem betäubenden Frauengold, nach Schweiß, dem
Kommunionswein und dem der Trunkenheit. Wieder
gestehst du deinen Durst, schüttelst die Leichentücher aus,
um sie in Tischdecken umzunähen, du erträgst es nicht mehr,
dass man die Hinwendung zum Licht mit Füßen tritt. Das
Hier bedeutet Jetzt, das erniedrigende Gefühl, ein niemand
zu sein, hier ist überall, die gleichen Tränen, die gleichen
Waffen, nur ist da mehr Liebe als Angst. Du besitzt immer
noch die Kühnheit, deinen Vornamen wieder aufrecht zu
stellen, und du stellst ihn jeden Morgen auf wie eine
tägliche Pflicht, gleich den Konjugationsübungen, die
deine Mutter dich abends nach der Schule wiederholen
ließ. Eines Tages hörtest du auf, ich zu schreiben, du
erinnerst dich nicht, warum. Deine Erinnerungen passen
nicht zu den Bildern in deinem Kopf.
113
Gleich einem Versprechen der Anonymen
Alkoholiker, Tag für Tag der Guerillakrieg des
Lebens, Wälder voll wimmelnden Lebens,
Seelenfestungen, die es zu belagern gilt. Aus den
Tiefen deines Leibes lauerst du unbarmherzig auf
die kleinsten Schwächen. Schon lange denkst du
Dunkles, schaust du Dunkles, sprichst du Dunkles
bei hellem Sonnenschein. Die menschliche Natur ist
unheilbar, das weißt du seit langem, du bist zu vielt
in deiner Einsamkeit, das ist kein Trost, nur eine
Feststellung. Du hörst nicht auf, die leeren Stühle
um dich herum zu zählen und du beobachtest sie
aus den Augenwinkeln, schwörend, dich nicht
darauf zu setzen. Aufrecht stehend willst du in dir
wohnen, aufrecht unter den Lebenden. Du willst
lernen, wir zu sagen, auf dass es bezeugt werde.
Comme un ciel qui s’est décomposé, couleur
pluie, pluie de suie, tu te livres corps et âme aux
anges des ténèbres, tu appartiens maintenant
à l’humanité chassée du bleu, et tu nages,
tu t’épuises à nager dans des eaux sales sans
savoir comment tu résisteras. Résister, telle
une promesse. Tu penses à Virginia, sa guerre
perdue, son visage de noyée, tu penses à tous
les cadavres échoués près des fleuves de larmes,
tu voudrais les assoir sur tes genoux maigres,
les réchauffer, leur donner ton dernier lait.
Puis tu les porterais jusqu’à leur sérénité
éternelle. Tu ne jugerais plus, tu ne te jugerais pire
plus, tu ne serais plus ta pire ennemie. Tu
pourrais peut-être en arriver à te pardonner.
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Ta détresse n’a rien à voir avec la mélancolie,
ni avec le désordre du poème lorsqu’il crie de
rage, ni avec le désespoir de ceux qui ont
perdu la foi. C’est une langue à la grammaire
déréglée, et les signes se mettent à errer, ils
migrent d’une phrase à l’autre, ça s’ouvre en
toi, ça bée, ça bêle comme sur l’autel pascal, tu
es l’agneau et le couteau de tous les sacrifices,
l’expiation et la main vengeresse, tu es un nom
divisé par deux, l’intuition que tu pourrais
voir s’effacer ton ultime visage. Mais il te reste
heureusement quelques métaphores, elles te
protègent des mots irréparables. Il te reste une
chambre où tu te blottis en répétant à voix
basse la leçon de la lumière.
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Ton territoire s’est construit malgré toi sur
une plaie à ciel ouvert, il inquiète les jours
et leurs ailes, les nuits et leurs ailes, c’est
sans repos où tu habites, un guet permanent.
Tu voudrais délivrer du mal tous les oiseaux,
tu attaches des clochettes au cou des chats,
et tu te promènes la tête dans la grisaille des
nuages en rêvant que ton geste ridicule puisse
empêcher la ville de sombrer. Tu ne sauveras
que quelques passereaux, mais tu agis, tu oses
agir avec l’espoir d’alléger un rien la détresse,
puisque la détresse risque de t’emporter. Juste
un geste, et ce mot tout droit sorti d’un autre
siècle, charité, que tu récupères en cherchant
une posture pour vivre adossée à l’abîme.
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Il est temps de couper les fils entre tes doigts,
d’attirer dans ton jardin les chats errants,
temps de cueillir les pissenlits que tu mangeras
bientôt par la racine, temps d’accorder grâce
à l’effroi. Car tu es encore humaine, tu aimes
encore ce que tu hais, tu crois à ce que tu ne
crois plus, les fantômes bienveillants de minuit
et la prière, même souillée comme une robe de
viol. La solitude acceptée, la solitude rompue.
Tu n’as pas épuisé tes neuf vies, ni les étoiles
qui naissent dans tes yeux hagards, ni le futur
des verbes simples. Tu trouveras l’audace de te
coucher comme une neige nue sur les oripeaux
en flammes, pure patience contre force et rage,
levée contre, dressée contre, blanche de peur
et d’espoir. Tu occuperas le champ de la honte.
107
Tu viens d’une enfance où les poètes finis-
saient à l’asile tels des orphelins, une enfance
d’agneaux bêlants blonds sur les chars
allégoriques, parades sans combats, souvenirs
coincés dans le catéchisme, images martyres
qui montaient jusqu’aux nuages. On te voulait
vierge, mission, Afrique à genoux fleurissant les
églises, on t’apprenait le solfège du sacrifice et
tu chantais, mais faux, la voix cassée comme les
cailloux dans la bouche des noyées. Tu oubliais
ta peau animale, ces poils qui t’envahissaient,
bras, jambes, pubis, des herbes mauvaises que
tu arrachais une à une, il fallait faire l’ange et
sans talent tu faisais l’ange. Tu as commencé à
écrire, la main hantée. Tu n’habites pas seule ta
souffrance et tu le sais.
109
Prière, car tu n’as pas encore tout appris
du mal logé en toi, prière, amour de la terre
ouverte comme les hanches des jeunes filles
qui s’acharnent à continuer l’espèce, ventre
rond de l’avenir contre toute raison, vergers en
fleurs, vergers en fruits, car il faut nourrir les
enfants des femmes, prière, car tu refuses de
baisser les bras, c’est crois ou meurs et tu ne veux
pas mourir, tu te fais l’apôtre des climats doux
et des moissons généreuses comme les repas de
noces, prières priées sans répit, tu bénis le goût
du pain et du vin, les rituels qui s’attardent
jusqu’à la nuit, baisers offerts en secret à
des divinités bestiales, prières primitives car
c’est de là que tu viens, c’est ce qui t’a donné
le courage de construire des arches pour les
déluges. Tu es païenne et tu entends le rester.
111
Païenne, oui, tu le resteras. On t’a obligée à
traduire tant d’épopées au collège que ton crâne
est aussi peuplé que l’Olympe. Tu appartiens à
un vocabulaire de légende et tu entends encore
la grandeur de polis quand tu écris politique,
comme si tu pouvais exiger du ciel un peu de
dignité. Heureusement, tu as appris à tenir
ton crayon de ta main gauche. Côté cœur, c’est
crois ou crois, c’est le sang des alliances et des
fêtes, même si elles ne durent pas une éternité.
Tu fais l’inventaire de tes armes, papier,
crayons, clous, marteau, doigts, bouche, langue
bien pendue, langue capable de ressusciter
les idées mortes. Tu n’as pas encore perdu la
mémoire.
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Car ton ventre réclame, ton ventre appelle la
cyprine, la sueur, le vin de la communion et
celui de l’ivresse. À nouveau tu reconnais ta soif,
tu secoues les linceuls pour en faire des nappes,
tu ne supportes plus qu’on bafoue l’instinct de
la lumière. Ici c’est maintenant, l’humiliation
de n’être personne, ici c’est partout, les mêmes
larmes les mêmes armes, mais l’amour plus
grand que la peur. Tu as encore l’audace de
redresser ton prénom, et tu le redresses chaque
matin comme un devoir de conduite, un
exercice semblable à des conjugaisons que te
faisais répéter ta mère le soir après l’école. Un
jour, tu as cessé d’écrire je, tu ne te rappelles
plus pourquoi. Tes souvenirs avaient failli à
leurs images.
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Telle une promesse alcoolique, jour après
jour la guérilla de vivre, forêts grouillantes,
forteresses de l’âme à assiéger. Tapie dans ta
chair, tu épies tes moindres faiblesses , tu ne
te fais pas de quartier. Il y a longtemps que
tu penses noir, que tu vois noir, que tu parles
noir en plein soleil. La nature humaine est
incurable, tu le sais depuis longtemps, tu es
nombreuse en ta solitude, ce n’est pas une
consolation, tout au plus un constat. Tu n’as
pas fini de compter les chaises vides autour de
toi et tu les observes du coin de l’œil en jurant
que tu ne t’y assoiras pas. C’est debout que tu
veux t’habiter, debout parmi les vivants. Tu
veux apprendre à dire nous comme si tu lançais
un appel à témoins.