Melken
für Sophie
Milking
for Sophie
Die Weidekühe der Erinnerung kehren heim von
der umzäunten Wiese, dem Salzblock, der
bemoosten Tränke unter dem Weidenbaum.
Schläfrig vor Hitze, behäbig und langsam,
eine nach der anderen den Kuhpfad entlang.
Das Mädchen, das ihnen das Gatter öffnet, singt komm her, komm nur,
treibt sie zusammen mit Leichtigkeit, ein Kinderspiel ist es.
Eine Aufgabe, die dem letztgeborenen Kind zufällt. Die schlaftrunkenen Kühe am Abend.
Jemand – vielleicht eine Schwester – lehnt ihren Kopf an eine Flanke
als weinte sie über das, was verloren gehen wird: die Tenne voll süßen Heus,
das gelbe Bettstroh, die schnüffelnden Kälbchen mit dem Kopf in der Maische,
zu jung für die Weide.
Doch waren wir das nicht auch von je her?
Pferde, von ihren Zaumzeug befreit, galoppieren davon.
In der Dunkelheit dort draußen
schimmern ihre beschlagenen Hufe.
The pastured cattle of memory are coming in from
the fenced field, the salt lick, the water trough
mossed over beneath the willow tree.
They are sleepy with heat, heavy & slow, single file
on the cow path.
The girl who has opened the gate, sung out cow-bossy here-bossy,
rounds them up easily: it is child’s play, this chore.
What falls to the last-born: the drowsy cows at the end of the day.
Someone – is it a sister – leans her head against the flank
as if she were weeping for what’ll be lost: the loft of sweet hay,
the yellow bedding straw, the snuffling calves, heads in the mash,
too young to be turned out.
Weren’t we always, though?
Horses, freed from their traces, gallop away.
Out there in the dark
the glint of their shod hooves.